Die E-Rechnungspflicht zwingt Unternehmen zur Wahl zwischen zwei Formaten: XRechnung und ZUGFeRD. Beide erfüllen die europäische Norm EN 16931, beide sind vom Gesetzgeber anerkannt, beide lassen sich von gängigen Buchhaltungssystemen verarbeiten. Und doch sind sie grundverschieden.
Die Kurzantwort: XRechnung ist reines XML und vor allem für Rechnungen an Behörden (B2G) vorgeschrieben. ZUGFeRD kombiniert eine lesbare PDF mit eingebetteten XML-Daten und ist für den B2B-Regelfall die pragmatischere Wahl.
Dieser Artikel erklärt im Detail, wann welches Format zum Einsatz kommt, was der Gesetzgeber tatsächlich verlangt, und wie Sie für Ihr Unternehmen die richtige Entscheidung treffen.
Die Kurzfassung: Wann XRechnung, wann ZUGFeRD?
Wenn Sie diesen Artikel gerade überfliegen und nur eine schnelle Orientierung brauchen — hier die typischen Fälle:
Rechnungen an öffentliche Auftraggeber wie Bundesbehörden, Kommunen oder staatliche Betriebe verlangen fast immer XRechnung. Das gilt seit 2020 und hat sich durch die allgemeine E-Rechnungspflicht nicht geändert.
B2B-Rechnungen an andere Unternehmen funktionieren mit beiden Formaten. In der Praxis ist ZUGFeRD meist die bessere Wahl, weil Ihre Kunden die Rechnung weiterhin wie eine normale PDF öffnen und archivieren können, während ihre Buchhaltungssoftware im Hintergrund die strukturierten Daten automatisch verarbeitet.
Kleinunternehmer und Freelancer, die vor 2025 einfache Word- oder Excel-Rechnungen verschickt haben, fahren mit ZUGFeRD am stressfreisten. Die Rechnung bleibt optisch das vertraute Dokument, erfüllt aber die neuen Anforderungen.
Wenn Ihre Kunden — oder deren Steuerberater — eine konkrete Präferenz äußern, folgen Sie dieser. Beide Formate sind rechtssicher; die Entscheidung hängt dann an der Infrastruktur der Gegenseite.
Was ist XRechnung?
XRechnung ist der deutsche Standard für elektronische Rechnungen an die öffentliche Verwaltung. Entwickelt wird er von der Koordinierungsstelle für IT-Standards (KoSIT) im Auftrag des IT-Planungsrats. Die Einführung geht auf einen Beschluss vom 22. Juni 2017 zurück; seit November 2020 müssen Lieferanten des Bundes ihre Rechnungen in diesem Format einreichen.
Technisch ist XRechnung eine reine XML-Datei. Sie enthält alle Pflichtangaben einer Rechnung — Rechnungsnummer, Datum, Leistungszeitraum, Positionen, Beträge, Steuerinformationen — in einer strukturierten, maschinenlesbaren Form. Für Menschen ist die Rohdatei nicht direkt lesbar. Wer sie öffnen will, braucht entweder einen XML-Viewer, eine Visualisierungssoftware oder eine Buchhaltungsanwendung, die den Inhalt in lesbare Form übersetzt.
XRechnung ist eine sogenannte CIUS (Core Invoice Usage Specification) zur europäischen Norm EN 16931. Das bedeutet: XRechnung setzt die EU-Norm um und fügt deutschlandspezifische Regeln hinzu, etwa die verpflichtende Leitweg-ID für Behördenrechnungen und besondere Prüfregeln zur Vorsteuerabzugsberechtigung.
Die derzeit gültige Version ist XRechnung 3.0.2, mit regelmäßigen Bugfix-Bundles von der KoSIT. Der letzte Bugfix-Release trat am 31. Januar 2026 in Kraft. Für Mitte bis Ende 2026 ist XRechnung 4.0 angekündigt — eine Major-Version, die die aktualisierte europäische Norm EN 16931-1:2026 umsetzt. XRechnung 4.0 bringt substanzielle Änderungen mit, etwa die Möglichkeit, mehrere Bestellungen und Lieferungen in einer einzigen Rechnung zu bündeln. Für Sie als Rechnungssteller ist das Update jedoch kein akutes Thema: Wer heute XRechnung 3.0.2 nutzt, ist auf dem aktuellen Stand und muss erst beim offiziellen Release von 4.0 umstellen.
Spezifikation, Releases und Downloads bündelt die KoSIT auf der offiziellen XRechnung-Seite bei XEinkauf.
Was ist ZUGFeRD?
ZUGFeRD steht für "Zentraler User Guide des Forums elektronische Rechnung Deutschland" und ist ein hybrides Rechnungsformat. Entwickelt wird er vom Forum elektronische Rechnung Deutschland (FeRD) gemeinsam mit dem französischen Partner FNFE-MPE. Die erste Version erschien 2014; seitdem ist ZUGFeRD zum de-facto-Standard für B2B-E-Rechnungen in Deutschland geworden.
Der entscheidende Unterschied zu XRechnung ist der hybride Aufbau: Eine ZUGFeRD-Datei ist eine PDF/A-3-Datei, in die eine XML-Datei mit den strukturierten Rechnungsdaten eingebettet ist. Der Empfänger sieht zunächst eine ganz normale PDF-Rechnung, kann sie öffnen, drucken, per E-Mail verschicken. Eine Buchhaltungssoftware wiederum liest die eingebetteten XML-Daten automatisch aus und verarbeitet sie ohne manuelle Erfassung.
ZUGFeRD ist technisch identisch mit dem französischen Format Factur-X. Wer eine ZUGFeRD-Rechnung erzeugt, kann sie ohne weitere Anpassung an französische Geschäftspartner schicken; umgekehrt gilt dasselbe für Factur-X.
Die aktuelle Version ist ZUGFeRD 2.4, veröffentlicht am 4. Dezember 2025 und in Kraft seit dem 15. Januar 2026. Version 2.4 ist konform zur EN 16931 und bringt einige praxisrelevante Erweiterungen — insbesondere die umsatzsteuerkonforme Unterstützung von Unterpositionen im Profil EXTENDED, was für Handwerk, Bau und Agenturen mit Leistungspaketen relevant ist. ZUGFeRD 2.4 ist vollständig abwärtskompatibel zu früheren 2er-Versionen.
Wichtig zu wissen: ZUGFeRD bietet fünf Profile (MINIMUM, BASIC WL, BASIC, EN 16931, EXTENDED) mit unterschiedlicher Datenfülle. Für die deutsche E-Rechnungspflicht relevant sind die Profile EN 16931 und EXTENDED — frühere oder minimalere Profile reichen nicht aus, um zum Vorsteuerabzug zu berechtigen.